Hebammen im Streik: Picknick statt Geburt

von Yvonne Oheim

Aachen05.05.2014 16:52 web

Von „Sterben auf Raten“ ist die Rede. In Aachen haben sich rund 100 Hebammen beim Internationalen Hebammentag vor dem Elisenbrunnen zu einem Streikpicknick getroffen.Am Montag gab es keine Kurse, keine Vorsorge, keine Nachsorge, keine Stillhilfe oder telefonische Beratung. Lediglich die Geburtshilfe wurde ausgeführt. Bei strahlendem Sonnenschein packten die Hebammen Decken aus und hissten die Transparente.

„Hebammenausrottung“ ist darauf zu lesen. Das Wetter steht im starken Gegensatz zu der Situation der Frauen. Die Berufshaftpflicht wird teurer und viele Versicherungen steigen aus dem Geschäft aus, weil den Opfern von Geburtsfehlern immer höhere Summen zugesprochen werden. Ein junger Mann hält ein rotes Herz hoch: „Ein Herz für Hebammen“.

Auch Mütter und Unterstützer helfen den Aachener Hebammen heute dabei, auf ihre schwierige Situation aufmerksam zu machen. Der Landesverband der Hebammen NRW wirbt auf Postkarten für eine Zukunft mit Hebammen, in der es gute Betreuungsbedingungen in den Kliniken, eine freie Wahl des Geburtsorts oder eine flächendeckende Versorgung von Geburtshilfe vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit gibt.

Eine andere Frau hält ein Plakat hoch: „Stell Dir vor, Dein Kind kommt und keine Hebamme ist da!“ In vielen Städten sind die Menschen aufgerufen, mit den Frauen und Hebammen Solidarität zu zeigen. Es soll Bewusstsein darüber geschaffen werden, wie empfindlich die reproduktive Phase ist, sagt Hebamme Liesa-Marie Lengersdorf. „Im Moment ist auch einfach keine zufriedenstellende Lösung für unser Problem in Sicht“, erklärt sie.

Vor allem die flächendeckende Versorgung in Aachen kann nicht mehr gewährleistet werden, nur noch sieben Geburtshelferinnen begleiten außerklinische Geburten. Die Kurse in der Stadt sind überlaufen, es gibt zu wenige Beleghebammen und wenige, die sich um die Vor- und Nachsorge kümmern.

Niña Sprungala hat trotzdem Hoffnung für die Zukunft: „Ich glaube nicht, dass es so weit kommt. Man wird eine Lösung finden, das ist zu gravierend.“ Denn wer soll den Beruf der Hebamme sonst übernehmen? Die Schwestern und Ärzte wollen es nicht und können es oft auch einfach nicht, sagt sie.

von: Lee Beck

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